Modell aus der Vorlage des Kantons, das das wahre Volumen des Neubaus "beschönigt".

Die Bevölkerung stellt kritische Fragen zum 50-Millionen-Projekt am See

Viele Fragen, kaum Antworten

In den letzten Wochen haben uns zahlreiche Zugerinnen und Zuger kontaktiert, die sich wundern, wie es überhaupt zu diesem umstrittenen Bauprojekt am Landsgemeindeplatz kommen konnte. Während Stadt und Kanton das Projekt als «gemeinsames Vorhaben» preisen, wächst der Unmut in der Bevölkerung. Die Irritation über das Vorgehen der Behörden ist gross, die Kritik am mangelnden Einbezug der Öffentlichkeit wird immer lauter. Hier sind die drängendsten Fragen, die uns erreichen:

1. Warum diese Geheimhaltung?

Der Kanton hat über Jahre hinweg im Stillen geplant – mit externen Planern, Gutachtern und diversen Amtsstellen. Für eine Investition von über 50 Millionen Franken ist diese Intransparenz befremdlich. Wurde hier bewusst unter Ausschluss der Öffentlichkeit geplant, um Widerstand zu vermeiden? Während andere öffentliche Bauvorhaben frühzeitig kommuniziert und mit Informationsveranstaltungen begleitet werden, scheint man hier bewusst die Öffentlichkeit umgangen zu haben. Dies wirft kein gutes Licht auf die Verantwortlichen und lässt die Frage aufkommen, ob man die kritischen Stimmen fürchtete.

2. Warum erfahren wir dies aus der Zeitung?

Weder die Bevölkerung noch die direkt betroffenen Anwohner des Landsgemeindeplatzes und der Altstadt wurden in den Planungsprozess einbezogen. Erst als alles in trockenen Tüchern war und der Vorvertrag bereits unterzeichnet, informierte man über die Medien. Was sagt das über das Demokratieverständnis der Verantwortlichen aus? In einer Zeit, in der Partizipation und Bürgerbeteiligung grossgeschrieben werden, mutet dieser Umgang mit der Zuger Bevölkerung seltsam antiquiert an. Besonders stossend: Die direkt betroffenen Anwohner erfuhren aus der Zeitung von einem Bauprojekt, das ihre Lebensqualität unmittelbar beeinflussen wird.

3. Ist dieser Preis nicht ein Geschenk an den Kanton?

Der Stadtrat hat einem Landtauschvertrag über 610 m² an bester Seelage für lächerliche 1,8 Millionen Franken zugestimmt. Das sind gerade einmal 3000 Franken pro Quadratmeter – für eine der wertvollsten und unverbaubaren Lagen der Stadt! Verscherbelt hier die Stadt ihr Tafelsilber? Zum Vergleich: Private Grundstücke in ähnlicher Lage am See werden zu einem Vielfachen dieses Preises gehandelt. Warum erhält der Kanton hier einen Spezialpreis, und ist es wirklich im Interesse der Stadtbevölkerung, dieses wertvolle Land praktisch zu verschenken? Die fehlende Transparenz bei der Preisfindung lässt Raum für Spekulationen.

4. Zweierlei Mass beim Denkmalschutz?

Die kantonale Denkmalpflege befürwortet den Neubau an dieser ISOS-geschützten Lage. Gleichzeitig müssen private Eigentümer von Altstadthäusern für minimale Renovationen jahrelange Bewilligungsverfahren durchlaufen. Wie passt das zusammen? Gelten für die öffentliche Hand andere Massstäbe? Viele Altstadtbewohner berichten von endlosen Auseinandersetzungen mit den Behörden über kleinste Veränderungen an ihren denkmalgeschützten Gebäuden. Nun soll ausgerechnet an einer der sensibelsten Lagen im Stadtbild ein voluminöser Neubau entstehen – und die gleiche Denkmalpflege nickt wohlwollend? Diese vermeintliche Zweiklassenbehandlung stösst vielen Zugern sauer auf.

5. Wurden Alternativen wirklich ernsthaft geprüft?

Der Kanton behauptet, man habe andere Standorte geprüft und verworfen. Die Investoren beim alten Kantonsspital hätten kein Interesse gezeigt. Merkwürdig: Nach unseren Informationen wurden diese noch nie angefragt. Wie gründlich wurden andere Optionen wirklich evaluiert? Gerade der Standort auf dem ehemaligen Kantonsspitalareal würde sich mit seiner zentralen Lage und grosszügigeren Platzverhältnissen geradezu anbieten. Auch die kantonseigene Liegenschaft an der Aa bietet ausreichend Platz und verfügt bereits über die notwendige Infrastruktur. Warum wurden diese Alternativen verworfen oder gar nicht erst ernsthaft in Betracht gezogen?

6. Woher kommt der plötzliche Platzmangel?

Jahrzehntelang reichte der bestehende Kantonsratssaal für die parlamentarische Arbeit völlig aus. Nun soll er plötzlich viel zu eng und ungeeignet sein. Was hat sich so grundlegend verändert? Die Anzahl der Kantonsratsmitglieder ist gleichgeblieben. Der Raum wird nur für 15-20 Sitzungen pro Jahr genutzt. Rechtfertigt dieser begrenzte Nutzungsumfang wirklich eine Investition von über 50 Millionen Franken? Zumal der bestehende Saal durchaus modernisiert und optimiert werden könnte, ohne gleich einen kompletten Neubau zu errichten. Hier stellt sich die Frage nach der Verhältnismässigkeit und dem sorgsamen Umgang mit Steuergeldern.

7. Warum die Zerstörung der Vogelvoliere?

Die vor rund 35 Jahren errichtete Papageienvoliere am Landsgemeindeplatz ist ein beliebtes Ausflugsziel für Familien mit Kindern. Sie gehört zum Stadtbild und wird vom Ornithologischen Verein mit viel Engagement betrieben. Nun soll sie einem Verwaltungsbau weichen. Warum? Der Stadtrat hatte erst kürzlich ein Postulat abgelehnt, das die Verlegung der Fasanerie (der grösseren Voliere am Landsgemeindeplatz) vorschlug – mit dem Argument, der Standort sei ideal. Nun soll die Nachbarvoliere plötzlich abgerissen werden. Diese Widersprüchlichkeit irritiert viele Zugerinnen und Zuger, die die Volieren als wichtigen Teil des öffentlichen Raums schätzen.

8. Wer schützt das Stadtbild?

Der geplante Neubau würde wie eine „Staumauer“ zwischen Altstadt und See wirken. Wichtige Sichtbeziehungen gingen verloren, der offene Charakter des Landsgemeindeplatzes würde zerstört. Warum wird diesem städtebaulichen Aspekt so wenig Gewicht beigemessen? Das Stadtbild von Zug mit seiner einzigartigen Lage am See ist ein zentrales Identifikationsmerkmal für Einheimische und ein Anziehungspunkt für Besucher. Eine schwerwiegende Veränderung dieses Ensembles sollte besonders sorgfältig abgewogen werden – und nicht in Hinterzimmern entschieden werden.

Antworten gefordert

Diese und weitere Fragen beschäftigen die Zuger Bevölkerung zu Recht. Die Verantwortlichen bei Stadt und Kanton stehen in der Pflicht, transparent und nachvollziehbar zu erklären, wie sie zu ihren Entscheidungen gekommen sind. Ein Bauvorhaben dieser Tragweite und an diesem sensiblen Ort verdient eine offene, ehrliche Debatte unter Einbezug aller Betroffenen.

Bisher haben die Verantwortlichen nur ausweichend oder gar nicht auf die kritischen Fragen reagiert.

Wir erwarten von den Verantwortlichen in Stadt und Kanton eine ausführliche Stellungnahme zu diesen drängenden Fragen. Die Zugerinnen und Zuger haben ein Recht darauf zu erfahren, warum man einen der schönsten Plätze der Stadt überbauen will und weshalb dieser Entscheid im Verborgenen getroffen wurde.