Kritische Stellungnahme des BauForumZug zum geplanten Kantonsratssaal
Auch Fachleute äussern Zweifel
Nun hat sich auch das BauForumZug zum umstrittenen Neubau eines Kantonsratssaals am Landsgemeindeplatz geäussert. In einem Schreiben an Kantons- und Stadtrat fordert der Fachverein der Zuger Architektur- und Bauwirtschaft mehr Sorgfalt und eine transparente Interessenabwägung bei diesem sensiblen Projekt.
Das BauForumZug, ein Zusammenschluss von Architekten, Planern und Bauleuten aus dem Kanton Zug, äussert in seiner Stellungnahme erhebliche Bedenken zum geplanten Neubau am Seeufer. Der Verein betont die historische Bedeutung des bestehenden Ensembles und fordert eine umfassendere Abklärung, bevor das Projekt weiterverfolgt wird.
„Das Zuger Regierungsgebäude, zusammen mit der über der Altstadt erbauten Pfarrkirche St. Michael, gehört zu den bedeutendsten und repräsentativsten Architekturschöpfungen des Historismus im Kanton Zug“, heisst es in der Stellungnahme. Das Regierungsgebäude sei „der einzige im 19. Jahrhundert neu errichtete Staatsbau in der Innerschweiz“ und präge „nicht nur den Postplatz, sondern flankiere auch wirkungsvoll die Seefront der Zuger Altstadt.“
In seiner Stellungnahme verweist das BauForumZug auf die hohe Schutzwürdigkeit der Zuger Altstadt als „Ortsbild nationaler Bedeutung mit der Einordnung ISOS-A/a“, was besondere Vorsicht erfordere. Deshalb fordert der Verein „eine unabhängige und stichhaltige Beurteilung durch die Eidgenössische Natur- und Heimatschutzkommission (ENHK) und die Eidgenössische Kommission für Denkmalpflege (EKD).“
Besonders kritisch sieht das BauForumZug die mangelnde Einbindung der Öffentlichkeit: „Bei Bauaufgaben von dieser Bedeutung, die mindestens die Tragweite eines Bebauungsplans haben, scheint es uns ausserordentlich wichtig, die Bevölkerung einzubeziehen, um dem Projekt den notwendigen Rückhalt zu geben.“
Für die Region um den Landsgemeindeplatz, die laut BauForumZug „einer der am besten funktionierenden Aussenräume mit einer sehr hohen öffentlichen Nutzungsdichte ist“, fordert der Verein „eine transparente Güterabwägung zwischen repräsentativer Nutzung und öffentlichem Raum.“
Den vom Regierungsrat vorgeschlagenen offenen Architekturwettbewerb bewertet das BauForumZug grundsätzlich positiv – allerdings erst, „nachdem die sorgfältigen Abklärungen in Bezug auf die verschiedenen Interessenabwägungen stattgefunden haben.
